Royal Raid: Das nahe Ziel - so fern
Der Royal Raid Mountain Run auf Mauritius verlangt mir alles ab. Der Aufstieg zum höchsten Streckenpunkt ist aber fast geschafft ...


Wo geht's hier zum Ziel? Ich kann nicht mehr denken und laufe die Angst einfach weg.
Ich fange wieder langsam, sehr langsam an. Das habe ich in der Schweiz beim Bergwandern gelernt. Ich will langsam durchlaufen, das ist meine Strategie, die mich noch auf jeden Berg gebracht hat. Und nun habe ich auch das erste Mal ein Runners High. Nach rund drei Stunden Beraufsteigen habe ich das Gefühl, ewig weiter laufen zu können. Die Strategie geht auf. Das ist der einzige Streckenabschitt, an dem ich Menschen sehe und sie dann auch noch überhole. Keuchend stehen sie auf den Stufen aus Baumwurzeln oder halten sich an Bäumen fest.
Bäume sind auch meine kleinen Pausen. Bloß nicht zu lange stehen bleiben, sonst bin auch ich verloren. Der Weg schlängelt sich treppenartig durch das Dickicht und ich schaue nicht mehr nach oben. Einfach nur auf die Füße und auf den nächsten Schritt. Irgendwann muss doch auch dieser Berg zu Ende sein. Ich bin in einer neuen Laufdimension angekommen und weiß noch nicht, wohin sie mich führt.
Ein leckerer Teller Champignonsuppe
Wie in Trance steige ich weiter den schmalen Weg zum Gipfel auf. Auf einmal kommt mir ein junger Mann mit Kamera entgegen und sagt mir, dass es nur noch 500 m zum nächsten Wasserpunkt sind. Das hört sich gut an, ich fange wieder motiviert an zu traben und laufe in das Etappenziel. 20,5 km sind geschafft! Es gibt Getränke, Trockenfrüchte und Suppe. Mir ist definitiv nach Salz und ich schlürfe einen Teller Champignonsuppe leer. Bloß nichts essen, das den Magen belastet. Und bloß nicht zu lange ausruhen, immerhin habe ich noch 14,5 km vor mir.
Parakeet, 740 m, KM 20,5
Motiviert von der Vorstellung, dass es nur noch bergab geht und ich mittlerweile nicht mehr unter den Allerletzten bin, mache ich mich wieder auf den Weg. Wieder sind Flussbette meine Laufstrecke und ein bis zwei weitere Flüsse gilt es auch noch zu durchqueren. Mittlerweile haben sich meine Füße an den Wechsel aus nass, kalt, heiß und trocken gewöhnt.
Von Zweifeln gepackt
Dafür spielen meine Finger nicht mehr mit. Von Natur aus mit kleinen zarten Fingern ausgestattet, sehe ich jetzt nur zehn dicke Würstchen und frage mich, ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist. Hat mein Körper nach fünf Stunden die Belastungsgrenze erreicht? Ich will durchhalten, die Strecke zieht sich. Langsam fange ich an zu zweifeln. Sind das wirklich 9 km bis zum nächsten Wasserpunkt? Habe ich mich verlaufen?
Im Grunde habe ich seit dem Gipfel niemanden mehr gesehen und Markierungen am Wegesrand, die mir den Weg zeigen sollen, auch schon lange nicht mehr. Gab es eine Weggabelung, die ich übersehen habe? Mitten am sonnigen Tage in der Natur bekomme ich Angst. Ich laufe die Angst einfach weg, einfach weiter. Und da endlich, wie aus dem Nichts: der ersehnte Wasserpunkt und meine letzte Pause vor dem Ziel.
Oje! Das Ziel vor Augen und trotzdem so fern. Weiter auf der nächsten Seite
Royal Raid 2009

Mit der Startnummer 445 stehe...

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Ich versuche mich an die neue...
News
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