Ein Buch, über das man reden soll
Dabei erfordert Laufen (zumindest wenn man es mit dem Murakami’schen Wettkampfgedanken betreibt) laufend Disziplin und Ordnung. Keiner kann dies besser erklären als jemand, der selbst als Schriftsteller täglich seine fixen sechs Arbeitsstunden eingeräumt hat, in denen er schreibt. Bei Murakami ist das Training durchgeplant. Wöchentlich spult er sein Kilometerpensum herunter. Und lässt sich auch nicht aus der Fassung bringen, wenn ihm die jungen, hübschen Studentinnen am Campus von Cambridge (wo er als Gastprofessor arbeitete) reihenweise um die Ohren laufen.
Wie geschaffen für Einsame
Er beschreibt sich selbst als „verlorenen Typen“ (den man auch oft in seinen Romanen wiederfindet), der zum Laufen kam, weil es für Einsame wie geschaffen ist. „Aufrichtig über das Laufen zu schreiben und aufrichtig über mich zu schreiben, ist nahezu das Gleiche“, sagt Murakami.
Gerade in dieser Offenheit liegt die Stärke des Buches, das er in einem Zeitraum von zwei Jahren verfasst hat. Es ist kein klassisches Laufbuch mit medizinischem Gram und Psychotipps, keine Literatur. Es ist die Biographie eines Läufers, der zufällig Schriftsteller ist. Einige Fotos illustrieren die Erzählungen, die bei vielen Läufern wohl Erinnerungen an eigene Lauferlebnisse auslösen.
"Stones" machen ihm Beine
Dass Murakami am liebsten zum Album „Beggars Banquet“ von den „Rolling Stones“ und zu Musik von „Cream“ läuft, mag banal klingen. Doch gerade die exakte und humorvolle Beschreibung dieser Alltäglichkeiten eines Läuferlebens machen dieses Buch authentisch und zur Motivationsspritze für Läufer und solche die es noch werden wollen.
Haruki Murakami (geb. 1949 in Japan) ist weltweit einer der bedeutendsten Autor von Romanen („Wilde Schafsjagd“, „Mister Aufziehvogel“) und Erzählungen ( „Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah“).
Haruki Murakami: Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede.
Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe.
Dumont Buchverlag - ISBN 978-3-8321-8064-5
2008, geb., 165 S., 17,40 €